Stress gehört zum guten Ton – auch zu Weihnachten?!

Wie wäre es mit einer Portion Nichtstun!

Mehrere Feiertage – für viele von uns heißt das freie Tage – stehen vor uns. Dieses Jahr liegt Weihnachten so, dass wir mindestens drei und manche haben auch vier freie Tage am Stück – was für ein Luxus! Viele von uns freuen sich auf so viel freie Zeit.

Was tust Du an den freien Tagen?

Schon diese Frage verrät, wie schnell wir geneigt sind, freie Zeit mit Aktivitäten zu füllen. Klar sind da viele schöne Aktivitäten dabei und dagegen ist gar nichts einzuwenden.

Doch kannst du einfach mal NICHTS tun?

Nichtstun-Weihnachten

Wie gut bist du im Fach „Nichtstun“?

Es lohnt sich, einen ehrlichen Blick auf diese Fähigkeit zu werfen und sich zu fragen, hältst du eine Phase der Ruhe – der Stille gut aus – kannst du es sogar genießen! Oder geht es dir wie vielen, dass du Nichtstun mit faul sein assoziierst Und faul sein in unserer aktiven Leistungsgesellschaft geht gar nicht. Wir leben in einer Kultur, die im Übermaß Arbeit und Erfolg betont und vor allem belohnt. In so einer Kultur gibt es wenig Raum für Nichtstun – für Ruhe.

Die Schattenseite dieser Kultur ist, wir sind mittlerweile so beschäftigt, sogar in unserer freien Zeit, dass wir uns nicht mehr spüren. Möglicherweise sind manche sogar froh, sich nicht spüren zu müssen.

  • Wenn wir uns wirklich spüren, würde uns vielleicht klarwerden, wie getrieben wir durch unser Leben hechten und so viel Schönes zieht einfach an uns vorbei.
  • Wenn wir uns wirklich spüren, käme so mancher nicht gelebte Wunsch hoch.
  • Wenn wir uns wirklich spüren, dann melden sich verborgene Anteile von uns und das kann durchaus unangenehm sein.

Je mehr wir im Aktivitäts-Modus sind, desto geringer ist unsere Sensibilität für uns selbst. Unter Stress bekommen wir uns selbst nicht mehr mit, wir reagieren nur noch. Leider ist das vielen Menschen heute durchaus recht, weil dann müssen sie sich nicht mit sich und ihrem Leben auseinandersetzen. Und obendrein fühlen sie sich berechtigt, lang und ausgiebig jammern zu dürfen.

Dieser Aktivitäts-Modus lenkt uns von uns selbst ab und wir sind uns selbst gegenüber im wahrsten Sinne des Wortes blockiert. Wir werden uns selbst fremd. Im Dauer-Aktivitäts-Modus verengt sich der Blick auf uns selbst, auf unsere Mitmenschen und auf unsere Welt. Wir sind dann gar nicht mehr richtig da, sondern lediglich mit einem Teil von uns.

Kommen wir wieder zu den Feiertagen zurück

Mal ganz ehrlich, hast du deine Feiertage mit allen möglichen Aktivitäten verplant, um ja nicht eine extra Portion Ruhe und Stille abzubekommen.

Es liegt mir am Herzen, dir einen kleinen und sehr wirkungsvollen Tipp für die Feiertage mitzugeben. Die freie Zeit soll uns wirklich guttun – unsere Seele nähren und die Energiebatterie wieder auftanken. Und so lade ich dich zu einem kleinen Experiment ein.

Genehmige dir an den Festtagen eine kleine Auszeit. Das könnten z.B. 15 Minuten sein – gerne darf die Auszeit länger sein. Du ziehst dich zurück, an einen stillen Ort und tust einfach NICHTS. Also kein Buch lesen, keine Musik hören … einfach sein – ganz bei sich sein – sich selbst spüren – sich selbst aushalten.

Es kann sein, dass dir das schwerfällt, dass du unruhig wirst, dass du denkst: so ein Blödsinn und egal welche Gedankengebilde aufblitzen, bleibe trotzdem dabei. So ein kleines Experiment kann eine wichtige Erfahrung für dich sein.

Es kann sein, dass du auf den Geschmack kommst und mehr davon haben willst, dann wäre es eine gute Idee, solche Nichtstun-Zeiten fest in deinen Alltag zu etablieren.

Meine eigene Erfahrung mit diesem Experiment:                                                        Vor vielen Jahren hat mir meine Beraterin genau diese Übung vorgeschlagen. Ich sollte vier Wochen lang jeden Tag 15 Minuten nichts tun. Ich kann mich noch so gut erinnern: Ich saß auf meinem Bett und dachte, was für eine blöde Aufgabe. Da ich die Beraterin sehr schätzte, ließ ich mich auf dieses Experiment ein und immerhin nach vier Wochen konnte ich es wieder sein lassen. Mit der Zeit hat mir die Übung richtig gut gefallen und auch gutgetan. Mir ist klargeworden, dass ich fast immer mit irgendwas beschäftigt war, also immer was zu tun hatte. Kein Wunder, dass mir diese Übung anfangs schwerfiel. Heute sage ich, dass war für mich eine sehr wichtige Sache. Ich habe es gelernt, einfach zu sein – Nichtstun – mich spüren – mich aushalten – mir selbst nahekommen.

In diesem Sinne wünsche ich dir ein schönes und erholsames Weihnachtsfest und gönne dir kleine Auszeiten. Es lohnt sich und die freien Tage sind eine gute Gelegenheit dafür.

deine

Brigitte Hettenkofer

PS: Im neuen Jahr gibt es ein Achtsamkeits-Seminar. Du lernst, bewusst deine Gedankenwelt zu beobachten und es entsteht mehr Gelassenheit im hektischen Alltag. Ankündigung kommt bald.

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8 Antworten auf Stress gehört zum guten Ton – auch zu Weihnachten?!

  1. Eva Peters sagt:

    Liebe Brigitte

    danke für den Tipp. Auch wenn ich selber gerne mal nichts tue zwischendurch und auch weiß, dass es gut ist, Dinge verarbeitet werden und sich neu sortieren, so nehme ich mir diese Auszeiten nicht bewusst vor. Das möchte ich jetzt ausprobieren.

    Dir schöne Feiertage
    Eva

    • Liebe Eva,
      in unserer hektischen Zeit empfinden wir Nichtstun schnell als Zeitverschwendung, da könnten wir ja schon wieder was erledigen. Ich mache mir auch immer wieder bewusst, wie wichtig Zeiten des Nichtstun sind und kann solche Zeiten mittlerweile auch genießen.
      Dir auch schöne Feiertage und liebe Grüße
      Brigitte

  2. Liebe Brigitte,
    Dein Text gefällt mir sehr gut.
    Dies sind auch unsere Themen in unserer Coaching Arbeit.
    Ich freue mich immer, Gleichgesinnte, zu treffen und zu wissen, das wir den Menschen so wertvolle Impulse geben können.
    Wir, das sind meine Freundin und Businesspartnerin Nermin Mese und ich.
    Wir lieben es zu Netzwerken, vielleicht magst Du uns mal kennenlernen.
    Liebe Grüße und besinnliche Feiertage,
    Anja

    • Liebe Anja,
      als erstes ein herzliches Danke für deine Rückmeldung.
      Sehr gerne möchte ich mit dir/euch in Kontakt kommen und euch kennenlernen. Ich würde vorschlagen, das machen wir nach Weihnachten.

      Dir liebe Grüße und schöne-besinnliche Weihnachtstage
      Brigitte

  3. Maren Kaiser sagt:

    Liebe Brigitte,
    danke für die Erinnerung, sich das Nichts-Tun zu erlauben.
    Ich gehöre auch zu den Menschen, die gerne aktiv sind. Allerdings nicht in dem ich tausend Termine habe. Für mich ist eine einfache manuelle Tätigkeiten wunderbar zum Entspannen. Dabei kannich meinen Gedanken sehr schön nachhängen.
    Trotzdem gebe ich dir Recht. Es ist auch sehr gut, wirklich ab und zu nichts zu tun.
    Herzliche Grüße und schöne Feiertage
    Maren

    • Liebe Maren,
      ich bin auch für mein Leben gern aktiv und bemühe mich eins nach dem andern zu machen. Ich stricke und da kann ich wunderbar abschalten. Und wie du schon schreibst, braucht es Zeiten, wo eben Nichts ist.
      Danke, dass du dir hier die Mühe gemacht hast, deine Gedanken zu schreiben. Das weiß ich sehr zu schätzen.
      Liebe Grüße und besinnliche Weihnachten.
      Brigitte

  4. Kerstin Runge sagt:

    Liebe Brigitte,
    danke für deine wunderbare Anregung und die Erinnerung daran, das Nichtstun so Goldwert ist.
    Herzliche Grüße
    Kerstin

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